Unweit des Weitmarer Holzes, versteckt hinter den großen alten Bäumen des Schlossparks Weitmar, liegen zwei Baudenkmale, die in Bochums Geschichte eine bedeutende Stellung einnehmen: die Schlossruine und die Sylvesterkapelle
Wie auch Haus Kemnade war Haus Weitmar um die Jahrtausendwende ein Lehnsgut. Ursprünglich handelte es sich um ein Bauerngehöft, den Schultenhof in Weitmar. Dieser Hof wird bereits im 11. Jahrhundert erwähnt.
Zusammen mit dem Weitmarer Holz gehörte es zur Abtei Werden und wurde als Lehnsbesitz an Adelsfamilien vergeben.
Die Familien wohnten zunächst nicht selbst auf dem Hof, sondern ließen ihn von einem Bauern, dem Schulten von Weitmar, bewirtschaften.
Aus diesem Schultenhof entstand in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der erste Rittersitz Haus Weitmar. Im Mai des Jahres 1464 erhielt der Amtmann des märkischen Amtes Bochum, Wennemar von der Brüggeney genannt Hasenkamp, die Erlaubnis, auf dem Schultenhof in Weitmar ein neues Wohnhaus zu errichten. Das eigentliche Familienstammhaus auf der Flur Hasenkamp in Stiepel war baufällig.Als die Arbeiten an dem neuen Wohnhaus im Jahre 1464 begannen, war der Hof noch im Lehnsbesitz der Familie von Galen. Diese verzichtete jedoch auf ihre Rechte und so belehnte der Abt zu Werden 1481 Wennemar von Hasenkamp mit dem Schultenhof zu Weitmar und gleichzeitig mit dem Holzrichteramt der Weitmarer Mark und dem Hof Bisping, der ebenfalls zur Abtei Werden gehörte. Aus diesem Lehnsbesitz und dem Eigenbesitz derer von Hasenkamp entstand das Rittergut Weitmar, weithin schon damals unter dem Namen Haus Weitmar bekannt.
Mehr als 100 Jahre später, im Jahre 1592, erbaute Johann von Hasenkamp in einer Geländemulde auf dem alten Hofplatz ein neues festes Haus, dessen Ruine wir heute im Schlosspark Weitmar betrachten können. Das zweistöckige einfache Wohnhaus war aus Ruhrsandstein errichtet und mit einer die westfälischen Adelssitze kennzeichnenden Gräfte umzogen. Diese Gräfte ist heute versunken.
Nach 300jährigem Besitz starb 1765 mit dem Tod des unverheirateten Johann von Hasenkamp das Geschlecht der Hasenkamps in Haus Weitmar aus. Zunächst übernahm das Kloster Werden die Betreuung des Schlosses und der Güter. Nach zehn Jahren erwarb es dann ein Herr von Vaerst, der sich auch von der immer noch bestehenden Lehnsherrschaft der Abtei Werden freikaufte. Die Familie Vaerst lebte jedoch auch nur sechs Jahre auf Haus Weitmar und verkaufte den Besitz im Jahre 1780 an Friedrich von Berswordt-Wallrabe, den Stifter der Familienlinie Weitmar. Nachdem Friedrich von Berswordt-Wallrabe im Jahre 1848 die Erbtochter Phillipine von Syberg heiratete, kam auch das Haus Kemnade in seinen Besitz, das die Stadt Bochum 1921 kaufte. Haus Weitmar ist im Eigentum der noch heute dort ansässigen Familie von Berswordt-Wallrabe geblieben.
Neben der Schlossruine sind die Reste der Sylvesterkapelle zu sehen. Das genaue Alter der Kapelle ist nicht bekannt; wie eine Urkunde des Jahres 1397 bezeugt, hat sie um diese Zeit jedoch schon bestanden. Zur Zeit Wennemars von Hasenkamp (1464) wurde die Kapelle zu einer katholischen Filialkirche der Stammpfarre Bochum ausgebaut. Im Zuge der Reformation kam sie in den Besitz der lutherischen Gemeinde, und zwar spätestens im Jahre 1572 mit der Anstellung des ersten lutherischen Pastors
Der bauliche Verfall der Kirche führte dazu, dass die evangelische Kirchengemeinde in den Jahren 1866 bis 1868 an anderer Stelle die heutige Matthäuskirche baute und den Kirchenbesitz mit der Kirchenruine im Jahre 1890 an Ludwig von Berswordt verkaufte. Die Familie Hasenkamp, die nach der Reformation katholisch geblieben war, errichtete für den katholischen Bevölkerungsteil auf dem Hofgelände des Hauses Weitmar im Jahre 1748 eine weitere Kapelle. Diese wurde nach dem Bau der Franziskuskirche in ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude einbezogen.
Bei einem Fliegerangriff am 13. Mai 1943 wurde auch Haus Weitmar getroffen. Bis auf die Umfassungsmauern wurden das alte Schloss und die Kapelle - und damit auch unersetzliche kulturelle und materielle Werte - zerstört.
Erhalten geblieben sind im Schlosspark mehrere, zum Teil jahrhundertealte Bäume. Diese Naturdenkmale mit bizarren Baumkronen und -stämmen laden zu einem beschaulichen Spaziergang durch den Park. Von der alten Schlossruine aus kann dieser Spaziergang, einem ausgeschilderten Wanderweg folgend, fortgesetzt werden. Über einen Feldweg führt der Weg entlang einer alten Kohlebahntrasse zum Bahnhof Dahlhausen oder zur ehemaligen Dahlhauser Flussbadeanstalt direkt ins schöne Ruhrtal.
|